Ton - ein Heilmittel als Baustoff

In der Antike war neben Luft, Feuer, Wasser und dem Äther, die Erde eines der 5 Elemente. Diese Weltsicht ist heute in vielen Kulturen noch lebendig und wird in ähnlicher Form bei uns durch das chinesische Feng Shui gerade wieder verbreitet.

Die Erde war nicht umsonst so hoch im Kurs - gab sie doch alles was zum Leben notwendig war. Metall, Salz, und viele in der Heilkunst geschätzte Substanzen wie Heilerde (Ton) waren im Überfluss vorhanden.

Der Ton war für die kulturelle Entwicklung besonders wichtig, diente er doch als Rohstoff für Keramiken, als Baustoff und als Heilmittel.
   

Ton als Heilmittel  

  • Reiner Ton besteht aus vielen kleinen Plättchen und hat dadurch eine sehr große innere Oberfläche. Diese Oberfläche erlaubt es, dem Ton große Mengen an Giftstoffen durch Adsorption zu binden. Daher wirkt Heilerde entgiftend! 
  • Die Silikate (Ton ist ein Aluminiumsilikat) wirken im Magen als Säurepuffer und können daher bei Sodbrand, Gastritis und generell bei Körperübersäuerung helfen. Zudem bewirken die enthaltenen Mineralien eine Remineralisierung - durch Magensäure werden Ionen gebildet und vom Körper aufgenommen - z. B. bei Durchfallerkrankungen. Zusätzlich werden die Bakteriengifte (Toxine) gebunden und aus dem Körper geschleust. 
  • Heilerden wirken außerdem adstringierend, austrocknend und antiseptisch, wodurch sie als Wundpuder gut geeignet sind. 

Ton (Lehm) als Baustoff mit Tradition  

  • Die Zikkurate in Mesopotamien wurden aus Lehmziegeln erbaut, mit einer Schutzschicht aus gebrannten Ziegeln ummantelt und mit Asphalt (heilt Hautkrankheiten) abgedichtet. 
  • Die chinesische Mauer wurde in Stampflehmbauweise erbaut und erst später mit Ziegel und Steinen verkleidet. 
  • Im Jemen sind viele kunstvolle Lehmbauten seit Jahrhunderten bewohnt. 
  • In Ägypten zeigte sich in Versuchen, dass traditionelle Lehmhäuser eine Temperaturschwankung von 22-27°C aufwiesen, wogegen in baugleichen Betongebäuden unter gleichen Bedingungen die Temperatur zwischen 16 und 40°C schwankten. 
  • Es gibt selbst Flachdächer, die mit salzigem Ton gedichtet sind. Regnet es darauf, quillt der Ton und dichtet alle Fugen. Selbiges passiert auch bei der Dichtung von Schwimmteichen mit Ton. 

Früher Lehmbau in Mitteleuropa 

  • In Weimar (BRD) sind Funde von Lehmwellerbauten aus dem 9. Jahrhundert vor Christus bekannt. 
  • In den flachen Gebieten Niederösterreichs und des Burgenlandes sind noch heute viele Stampflehm- und Lehmziegelhäuser bewohnt. 
  • Im Mühl- und Waldviertel (Norden Österreichs) wurden die traditionellen Steinhäuser als 2-schalige Steinmauer gebaut und die Zwischenräume mit Lehm und kleinen Steinen verfüllt. Als Mörtel und Putz diente ebenso Lehm und Ton, der im Außenbereich zusätzlich mit Kalk dünn überputzt wurde. 
  • Seit dem Mittelalter wurde Lehm zum Ausfachen von Holzfachwerkhäusern verwendet. 


Perspektiven für das Bauen mit Ton
 

  • Die heilenden, geruchsadsorbierenden und raumklimatischen Eigenschaften von Ton eröffnen in unserer zunehmend gesundheits- und wellnessorientierten Welt neue Perspektiven. 
  • Die feuchtigkeitsausgleichende Wirkung bewirkt auch eine Schwankungsdämpfung der Temperatur. So kann in ausgebauten Dachböden im Sommer die Temperatur auf angenehmem Niveau gehalten werden 
  • Die Ionisation der Luft wird optimal unterstützt. Die Luft ist wie in den Bergen reich an Sauerstoff - Kleinionen. Diese sorgen in der Lunge für höhere Sauerstoffaufnahme und stützen das Immunsystem. 
  • Wärmebrücken sollen zwar prinzipiell vermieden werden, die negativen Auswirkungen vorhandener Wärmebrücken werden jedoch durch die feuchteregulierenden Eigenschaften von Lehmputz minimiert (z.B. Schimmelbildung). 
  • Gerüche und Wohngifte werden vom Ton adsorbiert und zum Teil katalytisch aufgelöst. Allergien und dem Sick-Building-Syndrom kann dadurch vorgebeugt werden. 
  • Die kühlende und dabei wärmespeichernde Wirkung von Ton kann sowohl in der Solararchitektur als auch in der Industriearchitektur erfolgsversprechend genutzt werden. So können in Bürogebäuden mit hohen Kühllasten deutliche Reduktionen der Energiekosten durch Tonputze erreicht werden.